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In Deutschland werden jährlich ca. 100.000 Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Das sind mehrere hundert Eingriffe pro Tag. Trotzdem ist dieser Eingriff kein verpflichtender Bestandteil der medizinischen Aus- und Weiterbildung.

Medizinstudierende aus mehreren Fakultäten berichten, dass der #Schwangerschaftsabbruch kein bis wenig Inhalt des Studiums ist. Wenn überhaupt, wird in den Fächern Medizinrecht und Medizinethik, aber selten in den Fächern #Gynäkologie und #Geburtshilfe darüber gesprochen.

Manche Mediziner*innen entgegnen, dass das Thema zu fortgeschritten für Medizinstudierende sei und lieber in der Facharztausbildung behandelt werden soll. Allerdings liegt hier das Problem: Auch in der gynäkologischen Facharztausbildung ist das Thema kein verpflichtender Bestandteil. Es kommt dabei vor allem auf die Klinik an. Werden dort Abbrüche durchgeführt, wird man damit konfrontiert. Arbeitet man beispielsweise bei einem konfessionellen Träger, wird das mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Thema der Ausbildung sein. Es ist also möglich Gynäkolog*in zu werden und nie eine #Abtreibung gesehen oder durchgeführt zu haben.

Stellen wir einen Vergleich an: Eine der häufigsten Operationen in #Deutschland ist die Cholezystektomie - die Entfernung der Gallenblase, z.B. aufgrund von Gallensteinleiden. Jährlich werden geschätzt 175.000 Gallenblasen operativ entfernt. Medizinstudierende werden bereits im Studium mit dem Thema konfrontiert. Eine Studentin aus Berlin erzählt, dass in einer Vorlesung sogar ein Video der Operation exemplarisch gezeigt wurde. Dass man während der Facharztausbildung der Viszeralchirurgie (Bauchchirurgie) auch Gallenblasen-OPs sieht und durchführt, ist selbstverständlich.

Auf der anderen Seite der Schwangerschaftsabbruch: Obwohl er ein genauso alltäglich stattfindender Eingriff ist, wird dennoch akzeptiert, dass er in der gynäkologischen Ausbildung nicht nur unzureichend gelehrt, sondern teils sogar gänzlich ignoriert wird.

Wann können wir den Schwangerschaftsabbruch endlich als selbstverständlichen Teil der Gynäkologie ansehen?

(Die Quellen findet ihr in den Kommentaren.)

#prochoice #abortionishealthcare #reproductiverights
m_therese_'s profile picture
Das sind Zahlen, die hauen eine/n um! 😳 Schwangerschaftsabbrüche sind Alltag - so nüchtern das klingen mag. Das gilt es, akzeptieren zu lernen. Sie werden weitaus häufiger durchgeführt, als so manch anderer Eingriff (wsl. häufiger als Gallensteine zu entfernen? ) und gehören trotzdem nicht zur medizinischen Ausbildung! Das ist unfassbar! Sowas gäbe es bei Männern nicht. Rumschnipsln am Penis/Hoden ohne medizinische Ausbildung?? Das ist Schikane, Misogynie und Angst vor der weiblichen Emanzipation zusammen..
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rumpelbienchen's profile picture
ich lerne gerade fürs Physikum und las gerade im Endspurtskript: " APROPOS Schwangerschaftstest basieren auf dem Nachweis von HCGim _Urin_ der Mutter" - Das wird noch dauern. Laut Anatomen/IMPP/Thieme ist man schwanger ja scheinbar schon Mutter.
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doctorsforchoicegermany's profile picture
Es wird echt Zeit, dass sich das ändert!
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mehr.als.du.denkst's profile picture
Quellen:

- Beschreibung der Qualitätsindikatoren und Kennzahlen nach DeQS-RL. Cholezystektomie. Prospektive
Rechenregeln für das Erfassungsjahr 2021: [https://iqtig.org/downloads/auswertung/2019/che/DeQS\_CHE\_2019\_QIDB-RR-P-V\_V01_2018-12-13.pdf]
- Erfahrungsberichte mehrere Medizinstudierende
- Statistisches Bundesamt - Statistik zu Schwangerschaftsabbrüchen 2021:
[https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Schwangerschaftsabbrueche/_inhalt.html]
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